Lütkes: Mädchengewalt ist Ausdruck eines neuen
Weiblichkeitsbildes
Für einen anderen Umgang mit der Gewalt von Mädchen
hat Frauen- und Jugendministerin Anne Lütkes am Dienstag (12. April) in
Kiel plädiert. "'Schlagfertige' Mädchen machen in Schulen und
Jugendtreffs verstärkt auf sich aufmerksam. Die Jugendarbeit muss den Mädchen
mehr als bisher Wege aufzeigen, ohne Gewalt Anerkennung und Bestätigung
zu finden", sagte sie zum Auftakt der Fachtagung 'Starke Mädchen oder
Schlägerweiber' in Kiel. Vielfach würden nur die gewalttätigen
Jungen angesprochen. Innovative Projekte der Jugend- und Sozialarbeit dürften
auch in Zukunft nicht am Geld scheitern.
Neueste Untersuchungen haben ergeben, dass Mädchen in gewaltbereiten Cliquen
dort keineswegs am Rand stehen, sondern ein gewaltbereites Gruppenklima fördern,
erklärte Lütkes. Sie greifen in diesen in gleichem Maße wie
Jungen auch zu körperlicher Gewalt, ziehen sie der verbalen Konfliktlösung
vor und fördern insgesamt ein Klima der Gewaltbereitschaft. Vielfach halten
sie Prügeleien für notwendig, um sich gegen Angriffe oder vermeintliche
Verleumdungen zur Wehr zu setzen.
Auch Mädchenzentren in Husum und Ostenfeld bezuschusst
Generell ist Gewalt bei Mädchen jedoch weiterhin die
Ausnahme, so die Ministerin: "Jugendgewalt ist in den allermeisten Fällen Jungengewalt,
wobei beim jugendlichen Gewaltpotenzial insgesamt kaum statistische Veränderungen
nachzuweisen sind." Gewaltbereites Verhalten von Mädchen sei auch Ausdruck eines
neuen Weiblichkeitsbildes, sagte Lütkes, warnte aber davor, dies mit Selbstbewusstsein
zu verwechseln. "Wer darin nur ohnmächtige Reaktionen der Mädchen auf erfahrene
Diskriminierungen sieht, verharmlost die Mädchengewalt."
Neben verschiedenen Projekten zu Gewaltprävention, Selbstbehauptung und Konfliktlösungs-Strategien
(2004: ca. 25.000 EUR) fördert das Land vier Mädchenzentren in Husum, Ostenfeld,
Schleswig und Preetz (2005: insgesamt knapp 145.000 EUR). An der Fachtagung
des Jugendministeriums, des Kieler Kinderschutz-Zentrums und der Aktion Kinder-
und Jugendschutz (AKJS) nahmen mehr als 140 Lehrkräfte, Therapeuten, Pädagogen
und andere Fachleute teil.
Text: Dr. Thomas Voß, Ministerium für
Justiz, Frauen, Jugend und Familie